#14 Abraham Friedmann

In dieser Folge stellen wir Euch ein frühes Opfer der Nazis vor – einen Mann, dem auch nach dem Dritten Reich keine Gerechtigkeit widerfahren ist: den Unternehmer Abraham Friedmann. Auf seinem Rücken triumphierte der Nationalsozialismus in Coburg.

Links und Hintergründe

Über die Täter des Nationalsozialismus, über die Profiteure des Regimes und ihre Nachkommen wird bis heute viel berichtet – die Opfer bleiben oft ausgeklammert.

Sehr häufig in der Öffentlichkeit präsent sind z.B. Julia Stoschek und ihr Urgroßvater Max Brose . Max Brose war Wehrwirtschaftsführer, beschäftigte Zwangsarbeiter und profitierte von der Arisierung der Villa Abraham Friedmanns. Broses Enkel Michael Stoschek setzt sich bis heute dafür ein, seinen Großvater reinzuwaschen. Eine Absicht, die unter anderem auch dem ZDF-Satiriker Jan Böhmermann aufstößt, der sich in seiner Sendung immer wieder der Firma Brose widmet.

Abraham Friedmann und die Coburger Juden

Es ist Coburger Bürgern zu verdanken, dass die Erinnerung an die Entrechtung Friedmanns und der anderen Coburger Juden in Erinnerung bliebt: z.B. mit einer virtuellen Ausstellung. Empfehlenswert ist auch das Buch von Hubert Fromm, Die Coburger Juden. Geschichte und Schicksal. Herausgegeben vom Evangelischen Bildungswerk Coburg.

Unser Experte Hubertus Habel hat als Kurator einer eigenen Ausstellung zu Coburg im Dritten Reich dazu beigetragen, dass Friedmann, von dem außer einer schablonenhaften Karikatur ohne eigene Züge kein Bild mehr vorhanden ist, nicht vollständig vergessen wurde.

Zum Antisemitismus der Völkischen, der sich in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts manifestierte, gibt es hier eine gute Zusammenfassung.

Bayern spielte im Vorfeld des Dritten Reiches eine besondere Rolle, weil sich hier rechte Gruppen relativ sicher fühlen konnten. Was es mit Bayern als „Ordnungszelle“ auf sich hat, könnt Ihr im Historischen Lexikon Bayerns nachlesen.

Im Dritten Reich besann man sich auf die Schreibung Coburgs mit markigem „K“. Der „Zug nach Koburg“ spielte in der Propaganda des Regimes eine besondere Rolle. Auch hier hat das Historische Lexikon Bayerns eine gute Zusammenfassung dazu, was es mit dem so genannten Dritten Deutschen Tag und Coburg auf sich hat.

Das Bundesentschädigungsgesetz war ein erster Versuch, nationalsozialistisches Unrecht wieder gut zu machen – soweit das überhaupt geht.

Gregor Schöllgen ist als Historiker und Gerhard-Schröder-Biograph so bekannt wie in der Fachwelt umstritten. Mit seiner Geschichte der Firma Brose half er mit, die Firma in ein besseres Licht zu rücken als ihr vermutlich zusteht. Die Süddeutsche Zeitung hat ein interessantes Interview mit Schöllgen zum Thema geführt.

Zur Problematik der Wiedergutmachung hat die Bundeszentrale für politische Bildung einen Essay veröffentlicht.

Ein weiterer jüdischer Mensch, dem nach dem Dritten Reich noch Unrecht getan wurde, war Philipp Auerbach. Zum skandalösen Prozess gegen ihn und seinem anschließenden Selbstmord hat der Spiegel einen Hintergrundartikel veröffentlicht.