#13 Menschen mit Nazihintergrund

Wir sprechen mit Meron Mendel und Saba-Nur Cheema von der Bildungsstätte Anne Frank über ihre Arbeit, die deutsche Erinnerungskultur und die aktuelle Debatte über „Menschen mit Nazihintergrund“.

Links und Hintergründe

Die Bildungsstätte Anne Frank klärt über die deutsche Vergangenheit auf und ist auch eine Beratungsstelle für Betroffene von rechter Gewalt. Damit schlägt sie eine Brücke vom Gestern ins Jetzt.

Die Bezeichnung „Menschen mit Nazihintergrund“ wurde von den Künstler*Innen Moshtari Hilal und Sinthujan Varatharajah auf Instagram zur Diskussion gestellt. In Analogie zur Bezeichnung „Menschen mit Migrationshintergrund“ soll mit diesem Begriff eine Debatte über die deutsche Vergangenheitsbewältigung und den alltäglichen Rassismus in Deutschland angeregt werden.

Meron Mendel, der Leiter der Anne Frank Bildungsstätte, hält den Begriff „Menschen mit Nazihintergrund“ für ein „problematisches Label“, das eher zur Spaltung als zur Verständigung beitrage. Seine Eltern flohen während des Holocaust aus Europa. Er selbst wuchs in Israel auf

Mit der MEMO Studie erforscht das Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung Bielefeld (IKG), wie und an was sich Bürgerinnen und Bürger in Deutschland historisch erinnern. Diese Erinnerungskultur wird erfasst in Form einer repräsentativen Meinungsumfrage im Bevölkerungsquerschnitt. In der neuesten Studie geben über 32 Prozent der Befragten an, dass sie glauben, dass in ihren Familien potentiellen Opfern des NS-Regimes geholfen worden ist. Eine hohe Zahl, die sich von Fakten nicht belegen lässt.

Saba-Nur Cheema hat schon in ihrer Schulzeit erfahren, dass sie als „die Andere“ wahrgenommen wurde und dass deutsche Geschichte nicht ihre Geschichte sein sollte. Dabei findet sie diesen nationalen Blick ohnehin nicht hilfreich. Sie glaubt, dass man Jugendliche nicht dazu zwingen könne, sich mit der deutschen Vergangenheit zu beschäftigen, egal, ob ihre Großeltern das Dritte Reich erlebt haben oder erst nach 1945 als Migranten nach Deutschland kamen. „Ich möchte nicht in einer Gesellschaft leben, wo man sich zwangsweise mit seiner Familiengeschichte beschäftigten muss“, sagt sie. Und: es wäre schön, wenn man sich auch für die Familiengeschichten der Jugendlichen „mit Migrationshintergrund“ interessieren würde.

Die Angehörigen der Opfer des Anschlages von Hanau haben in ihren Reaktionen gezeigt, dass sich Menschen mit Flucht- und Migrationsgeschichte auch nach Jahrzehnten in Deutschland nicht als Deutsche fühlen können. Viele Migranten glauben zudem, dass die nicht aufgearbeitete deutsche Vergangenheit auf ihrem Rücken ausgetragen wird.