#9 NSDAP2

Heute erzählt uns der Historiker Armin Nolzen mehr darüber, wie die NSDAP alle Lebensbereiche beherrschte und warum ausgerechnet Sozialdemokraten ihre Kinder in die Hitlerjugend schickten.

Links und Hintergründe

Unser Gast heute:
Armin Nolzen kennt die NSDAP wie kein Zweiter. Er ist damit eine gute Ergänzung zu Jürgen Falter, mit dem wir in Folge 8 schon gesprochen haben.

Einen guten Überblick über Armin Nolzens Einordnung der NSDAP bietet sein Artikel „Die NSDAP vor und nach 1933“.

Die NSDAP-Mitgliedschaft als Kavaliersdelikt
Lange galt die Mitgliedschaft in der NSDAP als eine Art Kavaliersdelikt. Das hing auch mit der Tatsache zusammen, dass viele Forscher, wie die meisten Deutschen, in irgendeiner Form in Strukturen der NSDAP eingebunden waren. Informationen beispielsweise zum Historiker Martin Broszat findet Ihr in diesem Artikel.

NSDAP durchsetzte alle Lebensbereiche
Sich dem System zu entziehen, war schwer. Das betraf vor allem die Deutsche Arbeitsfront (DAF) und die Hitlerjugend.

Die Hitlerjugend gehört zu den Forschungsschwerpunkten von Armin Nolzen. Viele Artikel über sie und andere Themen findet Ihr auf seiner Webseite.

Sozialdemokraten und die Hitlerjugend
Für Brigitte besonders interessant waren Armin Nolzens Ausführungen zu Sozialdemokraten im Dritten Reich – und warum die SPD sich nach dem Krieg kaum zu ihrer Verfolgungsgeschichte bekannte.

Speziell zu dieser Frage sind folgende Texte interessant:

Armin Nolzen, Dieter Nelles und Heinz Sünker: „Sequentielle Traumatisierung. Die Lebensbedingungen der Kinder von politisch Verfolgten des NS-Regimes“, in: „Ethik der Erinnerung“ in der Praxis. Zur Vermittlung von Verfolgungs- und Exilerfahrungen, hg. von Inge Hansen-Schaberg und Ulrike Müller, Wuppertal 2005, S. 200-219.

Armin Nolzen, Dieter Nelles und Heinz Sünker: „Kinder des Widerstands im Nationalsozialismus. Familiale und politische Sozialisationsprozesse, in: Widersprüche. Zeitschrift für sozialistische Politik im Bildungs-, Gesundheits- und Sozialbereich 26. Jg. (2006), Heft 99, S. 67-84.

Armin Nolzen, Dieter Nelles und Heinz Sünker: „‘Kinder des Widerstands‘ und Politik nach 1945. Die Kinder kommunistischer Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime und deren Verhältnis zur Politik nach dem Zweiten Weltkrieg, BIOS, Jg. 21 (2008), Heft 2.

Otto Wels und Wilhelm Leuschner
Während die Leiden der „kleinen“ Mitglieder in der Nachkriegsgesellschaft der Bundesrepublik verdrängt wurden, feierte die SPD regelmäßig vor allem zwei Genossen: Otto Wels und Wilhelm Leuschner.

Am 23. März 1933 billigten die Abgeordneten des Reichstags mit großer Mehrheit das Ermächtigungsgesetz. Das Parlament als demokratische Institution war damit abgeschafft. Der SPD-Parteivorsitzende Otto Wels hatte vor der Abstimmung stellvertretend für seine Fraktion in einer emotionalen Rede ein Bekenntnis zur parlamentarischen Demokratie abgelegt.

Mehr über den Gewerkschafter und SPD-Politiker Wilhelm Leuschner gibt es auf der Seite der Gedenkstätte Deutscher Widerstand.

Die Sozialpsychologin Angela Moré beschäftigt sich mit der transgenerationalen Weitergabe von traumatischen Erfahrungen. In der nächsten Folge hört Ihr mehr von ihr.